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Palermo

Palermo

25. März 2025

Unser Zug fährt pünktlich in Palermo Centrale ein. Um als Fussgänger einigermassen sicher über die grossen Strassen beim Bahnhof zu gelangen, warten wir, bis die Ampeln für den Verkehr auf Rot umschalten. Alle Sinne sind geschärft, wir hören die Geräusche, wir riechen die Düfte und halten die Augen offen. Wir stolpern über das Kopfsteinpflaster von Strassen und Gassen, überall stehen Autos dicht an dicht, viele ziemlich verbeult, Motorräder und Roller schlängeln sich durch den Verkehr und die Gassen, viele Elektromotorroller sind das Fortbewegungsmittel der Wahl schlechthin in der Stadt. Die zum Trocknen aufgehängte Wäsche an den Balkonen über uns zeugen von bewohnter Baufälligkeit, manchmal hängen auch Velos übers Geländer oder Pflanzen. Grosse Topfpflanzen stehen auf den Gehwegen und auf den Treppenaufgängen haben sich Obdachlose eingerichtet. Viel Abfall und Unrat liegt herum, geschäftiges Treiben in den Läden, wir blicken beim Vorbeigehen in die Küchen von Restaurants und Wursterreien, die mobilen Stände von Gemüse- und Früchtehändlern gleichen Farbtupfern im Grau der Stadt, in der nächsten Querstrasse türmen sich Bücher zum Verkauf auf, manche scheinen so alt, dass sie zu Staub verfallen könnten, nähme man sie zur Hand. Wir sehen die allgegenwärtigen Rolltore, die Graffitis, die Todesanzeigen an den Mauern, piekfeine Restaurants hinter grossen Glasscheiben mitten in uralten Gassen, blicken in die Salons der Parruchieri (Coiffeure) und mir entgeht auch nicht das Atelier für Typografie, Buchdruck und Bleisatz.
Wir erreichen die Hafenstrasse und halten nach den Unterkünften und sicheren Parkmöglichkeiten Ausschau, die wir vorher schon auf Google Maps ausgemacht haben. So siehts also in Wirklichkeit aus. Ich kann mehrspurige Strassen nicht leiden, besonders dann, wenn Strassenmarkierungen fehlen. Check.
Wir kreuzen die beiden richtungsgetrennten Strassen um zum Hafen zu gelangen, da müssen wir am Sonntag hin, um einzuschiffen. Wir begeben uns zum Check-in-Schalter unserer Fährgesellschaft, Grimaldi Lines. Wir zeigen der freundlichen Dame unsere Tickets und lassen uns erklären, wie und wann wir einchecken müssen und wo genau. Wir wissen nicht, wie andere das regeln, die hier zum ersten Mal mit dem Auto oder Wohnmobil eine Fähre nehmen, aber wir wollen am Sonntagmorgen nicht wie die Deppen im Hafen herumkurven und am Ende auf einem Frachtschiff nach Tunesien landen oder im Hafenbecken. Check.
Auf dem Weg ins historische Zentrum der Stadt kehren wir in einer Osteria ein. Ein Kellner entführt uns schon von der Strasse weg hinein ins überraschend grosse Lokal. Wir bestellen etwas zu trinken und eine Kleinigkeit zu essen und profitieren bei der Gelegenheit auch von der Möglichkeit auszutreten, öffentliche Toiletten sind eher Mangelware.
Nun lassen wir uns treiben, bestaunen die Altstadt, folgen nicht stur dem Vorschlag unserer App, denn jede Querstrasse führt uns in Versuchung. Im Zentrum ist die Stadt sauber, aufgeräumt und so gut wie verkehrsfrei. Buchhandlungen, Souvenirshops, Bars und Cafés, Schuh- und Kleiderläden, Geschäfte mit sizilianischen Spezialitäten, dreirädrige Piaggios fungieren als Taxis, schicke Innenhöfe und Restaurants, monumentale Bauten und viel Geschichte. Wir spulen an die zwanzig Kilometer ab, bevor unser Zug fährt, beginnts zu nieseln und wir kehren noch einmal ein, gleich beim Bahnof um die Ecke. Ja, in etwa so haben wir uns Palermo vorgestellt!

Palermo Afterparty im Vorzelt

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