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Die wilden Tiere im Conca del Salto und Scicli

13. März 2025

Die Sonne scheint von einem blauen, beinahe wolkenlosen Himmel, es ist warm und ein frisches Lüftchen weht, ideales Wetter für die heutige Wanderung. Einmal mehr erweist sich unsere Touren-App, für die wir letztes Jahr vor Reisebeginn für 12 Franken ein Abo auf Lebenszeit gekauft haben, als unverzichtbarer Wegbegleiter. Wo auch immer wir uns niederlassen, können wir uns im näheren oder weiteren Umkreis Tourenvorschläge anzeigen lassen und welche aussuchen, die für uns geeignet sind und die uns gefallen. Auch die Hinfahrt zum Startpunkt unserer Ausflüge regelt die App mit Hilfe von Google Maps. Auf der Tour müssen wir niemals fürchten, uns zu verlaufen oder den falschen Weg einzuschlagen, die App weist uns den richtigen Weg und bringt uns sicher zum Ausgangspunkt zurück. Niemals hätten wir sonst die heutige Tour gemacht bzw. gefunden, es gibt keine Hinweis- oder Wandertafeln und der Weg war auch nicht markiert.
Wir gehen durch einen Kiefernwald auf schmalen Pfaden durch die, ich weiss, ich wiederhole mich, üppige, grüne Vegetation – es ist wunderschön. Wir sehen die tiefe Schlucht im Kalksteinplateau des Iblei unter uns und auf der gegenüberliegenden Seite die steilen, canyonartigen Berghänge. Bald schon hören wir das Rauschen eines Wasserfalls (Salto di Lepre) und erspähen ihn von weitem zwischen den Bäumen. Wir beschliessen, zum Gebirgsbach abzusteigen, um den Wasserfall von nahem betrachten zu können. Der zugewucherte und dornenbewehrte Pfad hinunter ist glitschig und um die Talsohle zu erreichen, müssen wir uns an einem Seil festhalten, das dort an einem Felsen befestigt ist, um die letzten Meter hinunter zum Bach zu überwinden. Das weckt in uns Erinnerungen an unsere Klettertour auf den Rocher de Roquebrune, letztes Jahr in Südfrankfreich. Unten angekommen, stehen wir unter haushohem Schilf und einem mächtigen Holunder.

Wir sehen den Wasserfall noch immer nicht und finden auch keinen Weg, wir müssten dafür wahrscheinlich durch den reissenden Bach waten. Lieber setzen wir uns auf einen grossen Stein am Ufer, um eine Rast einzulegen. Plötzlich kommen, in Reih und Glied, ein Dutzend Piranhas die Stromschnelle herunter und betrachten uns mit ihren riesigen Sehorganen, während sie, keinen Meter von uns entfernt, vorbeischwimmen. Ich fürchte, sie könnten jeden Moment aus dem Wasser springen und ihre spitzen Zähne in unser Fleisch schlagen. Kaum hab ich mich versehen, ist der Spuk auch schon vorüber. Ich bin ziemlich erschrocken und spähe ins dunkle Unterholz des Schilfes, um verdächtige Bewegungen auszumachen, von Alligatoren zum Beispiel oder Riesenschlangen!
Schneller als angedacht beenden wir unsere Rast, angeln uns am Seil zum glitschigen Pfad hoch um rasch wieder auf unseren romantischen Wanderweg zurückzukehren. Bären und Wölfe gibts auf Sizilien keine (mehr), die gefährlichsten Landraubtiere auf der Insel sind Hunde, die von ihren Besitzern nicht im Zaum gehalten werden. Wir erreichen eine Lichtung, ausgestattet mit Sitzbänken, in Süditalien war das bisher eher die Ausnahme. Wir setzen uns noch einmal hin, bevor wir auf einem breiten, von Trockenmauern gesäumten Waldweg den höchsten Punkt unserer Tour erreichen. Wir sind jetzt schon auf dem Rückweg und sehen hinunter auf das Tal und die Ebene bis zum Horizont, wo das Meer und der Himmel sich vereinen. Mir springt vor Freude über die herrliche Wanderung das Herz in der Brust, während wir wieder absteigen und nach rund dreieinhalb Stunden bei den verlassenen Gewächshäusern eintreffen, wo wir unser Auto abgestellt haben. Gerade als wir losfahren wollen, sehe ich im Rückspiegel etwas Grosses, Dunkelbraunes im Wald verschwinden. Ein Bär! Offenbar sind die Bären über die Meerenge von Messina geschwommen um in Sizilien wieder Fuss zu fassen, und niemand, ausser mir, hats gemerkt!

Scicli

Scicli ist unter anderem auch die Verwaltungsstadt der Kommune Cava d’Aliga, wo unser Zeltplatz liegt. Wie einige andere Städt im Südosten der Insel, wurde Scicli 1693, bei einem verheerenden Erdbeben, komplett zerstört und im Spätbarockstil wieder aufgebaut, unter modernster Stadtplanung für die damalige Zeit. Auf dem Rückweg von unserem Ausflug halten wir in Scicli an, parken im historischen Zentrum und bewundern das Stadtzentrum, die mächtigen Bauten, die Kirchen, die breiten gepflasterten Wege und Strassen, die

Piazza Italia, von wo aus wir das Wahrzeichen der Stadt fotografieren, die ehemalige Domkirche San Matteo, die hoch auf einem Hügel über der Stadt thront. Wir begeben uns nicht da hinauf, lieber kehren wir ein, es ist warm und gemütlich, es ist die Zeit der Siesta und deshalb ist es ruhig in der Stadt und es nicht viel los. Wir halten uns nicht sehr lange in der Stadt auf, bevor wir auf dem Nachhauseweg in einem grossen Supermarkt ein paar Einkäufe tätigen. Gegen 17 Uhr sind wir zurück auf dem Zeltplatz und sehr zufrieden mit unserem heutigen Ausflug.

12. März 2025

Am Tag nach der Ankunft im Südosten Siziliens, in Cava d’Aliga, begeben wir uns zum Meer. Hier liegen in beide Richtungen kilometerlange, weisse Sandstrände. Danach erkunden wir das Städtchen, auch hier gibt es viele Ferienwohnungen, die Rollläden sind bei den meisten unten, es ist noch nicht Hochsaison. Neben prächtigen Residenzen sind Neubauten auszumachen, aber auch alte Häuser, die zum Teil baufällig wirken, ebenso wie eingefallene, unbewohnbare Häuser oder solche, die nur halbfertig gebaut wurden und vielleicht nie mehr fertiggestellt werden. Wir sehen viele Antennen und Satellitenschüsseln auf den Dächern, überall die Ventilatoren der Klimaanlagen, die zumeist an den Wänden der Balkone befestigt sind. Hunde bellen hinter den Einzäunungen der Liegenschaften und die Strassen gleichen einem Flickenteppisch, Schlaglöcher werden behelfsmässig mit etwas Teer aufgefüllt, Fahrbahnmarkierungen sind nicht auszumachen und Gehwege sind eher die Ausnahme. Der Ort ist hübsch und der Küstenverlauf ist schön anzusehen, anders als an der Ostküste, die beiden Städte zur linken und zur rechten Seite des Zeltplatzes «La Focetta Sicula» waren im Vergleich dazu hässlich, und der lange, schwarze Sandstrand dort eher monoton, Strand ist eben nicht gleich Strand! Obwohl hier im Sommer einiges mehr los sein dürfte und die Strände eher bevölkert, eine richtig Uferpromenade oder eine Einkaufsmeile scheint es hier nicht zu geben, für reine Badeferien wäre hier nicht unsere Traumdestination. Wir werden nach einer Wanderung entlang der Küste vielleicht besser einschätzen können, wie es sich in Wirklichkeit verhält.

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