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Im Garten Eden

1. April 2025

Wir verlassen Cagliari auf gut ausgebauten Strassen und nehmen die Autobahn. Nach 120 Kilometern erreichen wir den Zeltplatz Nurapolis, an der Westküste Sardiniens. Der grosse Zeltplatz liegt im Schatten eines Pinienwalds, zwei direkte Strandzugänge führen, zwischen Dünen hindurch, zum Meer. Der Minimarkt und die Bar des Zeltplatzes werden erst in ein paar Wochen den Betrieb aufnehmen und von den drei grossen Sanitärblöcken sind zwei noch geschlossen. Wir können uns einen Platz aussuchen, auf dem Areal für Zelte ist noch niemand. Allerdings sind doch schon einige Gäste mit ihren Bussen, Womos und Wohnwagen hier, das wundert uns nicht, dieser Zeltplatz ist einer der wenigen, die bereits geöffnet haben, die meisten Campingplätze öffnen ihre Pforten erst ab Mitte April.
Wir fahren ins nächstgelegene Dorf, rund 5 Kilometer entfernt, um Lebensmittel einzukaufen. S’Archittu, so heisst das Dorf, bietet herrliche Ausblicke auf weit ins Meer ragende Felszungen aus Kalk, die hier kleine Buchten formen. Wir folgen dem gepflasterten Spazierweg im Dorf, gelangen dann auf Trampelpfaden zu einem schönen Aussichtspunkt mit Sicht auf einen Felsbogen im Meer und erblicken den Pfad und die verwitterte Oberfläche von Kalkfelsen, – da beginnt unsere Wanderung, die wir morgen begehen wollen.
Zurück auf dem Zelplatz merken wir erst, dass wir soeben an einem touristischen Hotspot an der Westküste waren, hier drängen sich im Sommer die Badegäste in den Buchten und bewohnen die vielen Ferienhäuser entlang der Strandpromenade und im Dorf. Wir planen unsere Aufenthalte in immer kürzeren Abständen und wissen nicht, was uns an der neuen Destination erwartet. Unsere Reisevorbereitungen endeten auf dem ersten Zeltplatz, auf dem wir uns in Sizilien aufgehalten haben, seither treffen wir unsere Entscheidungen für den weiteren Reiseverlauf nur wenige Tage im Voraus. Anders als auf dem ersten Teil unserer Reise in Frankreich, da hatten wir eine genauere Vorstellung davon, wo es hingehen soll und wie es dort aussieht. Von Sardinien hatten wir gar keinen Plan, wir wussten nur, dass unsere Reise in Cagliari beginnt, alles andere ergibt sich jetzt.

Punta S’Archittu, 2. April 2025

Unsere Wanderung führt uns durch die Macchia, ein für den Mittelmeerraum charakteristisches immergrünes niedriges Gehölz, das im Frühjahr in voller Pracht erblüht und sich vom Meer bis zu den Hügeln im Landesinneren erstreckt. Das dunkelgrüne Buschwerk besteht aus zahlreichen Pflanzenarten, im Mai wird die Macchia in voller Pracht erblühen, dennoch sind schon jetzt viele Farben von blühenden Pflanzen und Blumen auszumachen. Auch die Feigenkakteen oder Aloas sind vertreten, aber wie viele Pflanzen der Macchia erreichen sie nur eine geringe Wuchshöhe.
Wir wähnen uns im Vorhof des Paradieses und wandeln durch den Garten Eden, ohne Gefahr zu laufen, von den verbotenen Früchten zu kosten, Apfelbäume gibts hier keine. Die schmalen Pfade durch das Gestrüpp und über Kalkfelsen durch die Macchia, zwischen S’Archittu und Santa Catterina di Pittinuri, bieten herrliche Aussichten auf die Küste, das weite, tiefblaue Meer und in den Buchten das klare, türkisfarbene Wasser.
So viele unglaublich schöne Naturlandschaften haben wir auf unserer Reise schon bewundert, ich würde mich hüten, eine Rangliste aufzustellen. Zweifelsohne und für sich genommen, unsere heutige kleine Wanderung an diesem herrlichen Küstenstreifen teilt sich das oberste Treppchen des Podests mit einigen anderen paradisischen Ausflügen im Mittelmeerraum, die wir auf unserem Mediterransabbatical ins Herz geschlossen haben.

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